Gesundheitsminister Linnemann kündigt Expertenkommission zur Pflegereform an
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hat angekündigt, eine unabhängige Expertenkommission aus Wissenschaftlerinnen und Fachleuten einzusetzen. Ihr Auftrag: Vorschläge für eine strukturelle Reform der Pflegeversicherung erarbeiten, die über das bereits laufende PNOG-Gesetzgebungsverfahren hinausgeht.
Anlass ist die finanzielle Schieflage der Pflegeversicherung. Sie gibt aktuell rund 75 Milliarden Euro pro Jahr aus. Ohne zusätzliche Sparmaßnahmen rechnen Fachleute für 2027 mit einem Fehlbetrag von etwa 8 Milliarden Euro; um die Finanzierung stabil zu halten, wäre nach dieser Einschätzung eine Einsparung von rund 10 Prozent des Haushalts nötig. Verschärft wird der Druck durch die demografische Entwicklung: Bis 2050 könnte die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf etwa 7,5 Millionen steigen. Linnemann bezeichnete die Lage der Pflegeversicherung nach Angaben des Berichts als „desaströs" und warnte vor einem drohenden Kollaps in den 2030er-Jahren, sollte jetzt nicht gegengesteuert werden.
Aus der Branche kommen unterschiedliche Reaktionen. Florian Reuther, Verbandsdirektor des PKV- Verbands, unterstützt Linnemanns Position, einen Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Pflegeversicherung abzulehnen. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz mahnt dagegen, eine weitere Kommission koste vor allem Zeit – Zeit, die fehle, solange der aktuelle PNOG-Referentenentwurf noch nicht einmal verabschiedet sei. Thomas Greiner, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste (AGVP), fordert von der Politik konkrete Antworten auf die Frage, wie der Bau und Betrieb von Pflegeheimen künftig finanziert werden soll.
Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ändert sich durch die Ankündigung zunächst nichts: Die Expertenkommission ist ein zusätzliches, längerfristig angelegtes Gremium neben dem PNOG- Referentenentwurf, den wir auf unserer Seite Pflegereform 2027 laufend einordnen. Wir behalten die Arbeit der Kommission im Blick und berichten, sobald konkrete Vorschläge vorliegen.
Quelle: medinfoweb.de, 14. September 2026. Dieser Beitrag fasst die dort berichteten Fakten in eigenen Worten zusammen und ersetzt keine individuelle Beratung.
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