Weitere Diagnose · Kinder & Neurodiversität

FASD (Fetale Alkoholspektrumstörung)

Eine der häufigsten angeborenen Behinderungsursachen – und eine der am meisten unterschätzten.

FASD entsteht durch Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und zählt zu den häufigsten vermeidbaren Ursachen angeborener Beeinträchtigungen in Deutschland. Besonders bei der Pflegebegutachtung ist FASD eine Diagnose, bei der die tatsächliche Beeinträchtigung leicht unterschätzt wird: Viele betroffene Kinder wirken auf den ersten Blick unauffällig oder sogar gesprächig und sozial zugewandt, obwohl darunter erhebliche, dauerhafte Einschränkungen der Selbständigkeit liegen.

Typischerweise betroffene Module

Kognitive Einschränkungen – verzögerte Sprachentwicklung, schwache Lern- und Merkfähigkeit sowie erschwerte Orientierung und Gefahreneinschätzung – wirken sich deutlich auf Modul 2 aus. Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und emotionaler Regulation betreffen Modul 3 oft in ähnlichem Umfang wie bei ADHS. Beeinträchtigte Feinmotorik und Koordination können Modul 1 und Modul 4 (etwa beim Anziehen oder bei der Nahrungsaufnahme) betreffen. Ein erhöhtes Epilepsierisiko sowie regelmäßige medizinische und therapeutische Termine fließen in Modul 5 ein, Schwierigkeiten bei Tagesstruktur und sozialen Kontakten in Modul 6.

Worauf es bei der Begutachtung ankommt

Die größte Fehlerquelle bei FASD ist die sogenannte „Fassade der Kompetenz": Viele Kinder mit FASD verfügen über eine gute Ausdrucksfähigkeit und wirken dadurch selbständiger, als sie es im Alltag tatsächlich sind – Sprachvermögen und tatsächliches Verständnis bzw. Handlungsfähigkeit fallen bei FASD oft weit auseinander. Für die Begutachtung ist es deshalb wichtig, konkrete Alltagssituationen zu schildern statt allgemeiner Eindrücke, und deutlich zu machen, wie viel Anleitung, Wiederholung und Aufsicht tatsächlich nötig sind, damit eine Handlung gelingt – auch wenn das Kind im Gespräch selbst kompetent wirkt.

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